MEDICA MEDIA-News vom 15.11.2008
- Modellgestützte Therapie
- Teletherapie
- med. Bildbearbeitung
- Medizintourismus
Sehr geehrte Damen und Herren,
willkommen zu einer neuen Ausgabe der MEDICA MEDIA NEWS, dem Newsletter der MEDICA MEDIA, Forum für eHealth, Telemedizin und medizinische Informationstechnologie.
Bislang waren zweidimensionale Bildinformationen die Grundlage für einen Großteil der operativ-therapeutischen Maßnahmen. Durch den Einsatz innovativer Informationstechnologien soll die Modellgestützte Therapie auf der Basis von patientenspezifischen Modellen aus einer Vielzahl an zusätzlichen Informationen ein „vieldimensionales Bild“ des Patienten zeichnen und die therapeutische Arbeit von Chirurgen, Internisten bzw. Strahlentherapeuten maßgeblich beeinflussen und präzisieren. Die MEDICA MEDIA stellt Ihnen diese neue Entwicklungsrichtung in mehreren Veranstaltungen vor. Besuchen Sie hierzu die von unserem Fachbeirat Dr. Wolfgang Niederlag moderierte Power-Input-Session (Mittwoch, 19. November, 15:00 Uhr). Im anschließenden Diskussionsforum (16:00 Uhr) geht Dr. Niederlag mit einer Expertenrunde der Frage nach, ob die Modellgestützte Therapie einen Paradigmenwechsel in der Chirurgie einleiten wird.
Zum Thema und obigen Veranstaltungen lesen Sie bitte auch das Abstract von Herrn Dr. Niederlag.
Wie wird der breite Einsatz telemedizinischer Anwendungen die Fachdisziplin der Neurologie verändern? Und wie ist der aktuelle Diskussionsstand zur teletherapeutischen Regelversorgung? Anhand dieser und weiterer Fragen wird neben der Modellgestützten Therapie auch der neurologische Kontext des Schwerpunktthemas Teletherapie auf der MEDICA MEDIA diskutiert. Unser Fachbeirat Prof. Dr. Bernd Griewing, Chefarzt Akutneurologie – Klinische Neurophysiologie – Stroke Unit und Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik, Rhön-Klinikum Bad Neustadt / Saale, moderiert hierzu ein Diskussionsforum (Donnerstag, 20. November, 14:00 Uhr) und bietet daran anschließend einen Vertiefungsworkshop (15:00 Uhr) an. In unserem Interview bezieht Prof. Griewing schon einmal Stellung.
Ebenfalls zum Thema findet sich hier ein Abstract von Dipl.-Inform. Asarnusch Rashid, FZI Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe, der als Referent beim Diskussionsforum von Prof. Griewing zu hören sein wird.
Hinweisen möchten wir auch auf die Präsentation „Pictures of the brain – Neuere Entwicklungen in der medizinischen Bildbearbeitung“ (Donnerstag, 20. November, 16:00 Uhr) unter der Leitung von Dr. rer. nat. Arne Hengerer, Direktor für Molecular MRI bei der Siemens AG, Healthcare in Erlangen. Der Experte für molekulare Bildgebung erklärt vorab im Interview, was unter dem Konzept der integrierten Diagnostik zu verstehen ist und welche Entwicklungen zukünftig im Bereich der molekularen Biomarker zu erwarten sind. Mit dabei in der Veranstaltung ist auch Dr. Eva Scheurer, stellv. Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Klinisch-Forensische Bildgebung, Medizinische Universität Graz. Als Referentin wird sie einen Vortrag über bildgebende Methoden in der forensischen Neurotraumatologie halten. Im Interview skizziert sie das telemedizinische Einsatzgebiet innerhalb der Rechtsmedizin.
Zuletzt möchten wir Ihnen mit dem Thema Medizintourismus unseren Schwerpunkt am Samstag, den 22. November, vorstellen. In insgesamt vier Sessions unter der Leitung von Dr. med. Robert Gerl, Direktor German Healthcare Consulting, Berlin, geht es unter anderem um Qualitätskriterien, die Rolle der Telemedizin und die Patientenselbstorganisation. Der Artikel „Wenn Patienten auf Reisen gehen…“ des Medizinjournalisten und Pressesprechers der MEDICA MEDIA, Dr. Lutz Retzlaff, führt Sie in die Thematik ein.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch der MEDICA MEDIA!
Mit besten Grüßen
Ihr MEDICA MEDIA-Team
"Wenn Patienten auf Reisen gehen..."
Qualität sichern mit „International Clinical Pathways“
Im Bereich des Tourismus aus medizinischen Gründen bewegt sich Vieles in einer Grauzone und offen bleibt die Frage, was überhaupt regelbar ist. Neben den Kosten für die Therapie steht die Qualität für den Patienten, aber auch für den Anbieter im Vordergrund. „Die Qualitätssicherung gehört zu den wichtigsten Fragen im Medizintourismus“, bestätigt Dr. Robert Gerl, Medizinischer Direktor der German Healthcare Services. Qualität und Transparenz im Gesundheits- und Medizintourismus ist eines der Topthemen bei der diesjährigen Medica Media, das Dr. Gerl am 22. November 2008 moderiert. In Workshops und im Forum stellen Experten ihre Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich vor.
Wachstumspotential Patientenreisen
In der Gewichtung von Qualität und Kosten gibt es nationale Unterschiede. Während Patienten aus Russland und den arabischen Staaten vor allem auf Qualität achten, haben Patienten aus den USA, die vielfach nicht oder unterversichert sind, besonders die Preise im Auge.
Auf jeden Fall wächst der weltweite Markt des Patiententourismus. 2007 sollen laut Deloitte 750.000 US-Amerikaner in die ganze Welt – vor allem nach Asien und Südamerika - gereist sein, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt einen Anstieg des weltweiten Umsatzes von 40 Milliarden Dollar im Jahre 2004 auf 100 Milliarden Dollar im Jahre 2012, woran vor allem die Amerikaner den größten Anteil haben werden. In Deutschland ist der Markt laut Dr. Gerl bislang stagnierend, stellen sich die Einrichtungen jedoch stärker auf den US-amerikanischen Markt ein, so sei auch hierzulande ein Wachstum zu erwarten. Innereuropäisch wächst die Bedeutung von „Cross-border healthcare“: Die Patienten werden sich innerhalb der Europäischen Union freier bewegen können, Krankenkassen werden ihren Patienten zunehmend günstige Angebote aus dem innereuropäischen Ausland offerieren.
EU will Patientenrechte stärken
So hat die EU-Kommission einen Vorschlag für einen Rechtsakt erarbeitet, der verdeutlichen soll, welche Möglichkeiten einer medizinischen Versorgung im europäischen Ausland bestehen. In dem Vorschlag wird auch erläutert, wer für Qualität und Sicherheit der Behandlungen in grenzüberschreitenden Fällen zuständig ist. Die europäischen Patientenrechte und Cross-border healthcare werden auch beim Deutschen Krankenhaustag, der parallel zur Medica stattfindet, eine große Rolle spielen. Am Donnerstag, den 20.11.2008, werden Vertreter von Verbänden, Politik und Wirtschaft das Thema „Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung in Europa – Konsequenzen für die deutschen Krankenhäuser“ diskutieren.
Deutsche Patienten im Ausland, ausländische Patienten im Inland
Rund 300.000 Deutsche reisen laut den Krankenversicherungen aus medizinischen Gründen ins Ausland, zum Beispiel zum Augenlasern in die Türkei oder zur Zahnmedizinischen Behandlung nach Ungarn. Dies berichtete im letzten Jahr das Nachrichtenmagazin Focus. Wie viele ausländische Patienten in Deutschland behandelt werden, ist schwer abzuschätzen. Dr. Gerl nennt auf der Grundlage von Krankenhaus-Entlass-Statistiken jährlich 50.000 bis 60.000 Patienten aus dem Ausland, die in deutschen Krankenhäusern behandelt werden.
Einnahmequelle für Kliniken
Für die Kliniken sind Medizintouristen eine interessante Einnahmequelle. „Gerade Universitätskliniken wie Hamburg, München-Großhadern oder Freiburg haben oft ein „International Office“ aufgebaut, die den Bereich systematisch betreiben“, berichtet Dr. Gerl. Im Rheinland gibt es die „Bonn Medical Partners“. Die Tourismus & Congress GmbH Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler macht auf der entsprechenden Website Werbung unter anderem für die Bonner Universitätskliniken, und die Wirtschaftswissenschaftler der FH Bonn unterstützen in Forschung und Beratung Kliniken, Ministerien, Städte und Kommunen sowie Dienstleistungsunternehmen. Auf der Medica Media wird Jens Juszczak von der FH Bonn über neue Entwicklungen in Deutschland berichten.
Qualitätsstandards setzen
Im „Network for Better Medical Care“ (NBMC) haben sich Berliner Krankenhäuser zusammengeschlossenen, um Medizintouristen nach Berlin zu führen. Jedes Mitglied soll hier einen Qualitätszertifizierungs- oder Akkreditierungsprozess durchlaufen, um hohe Qualitätsstandards zu sichern. Dabei können Qualitätsmanagementsysteme wie "Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen" (KTQ), "European Foundation for Quality Management" (EFQM) und "Joint Commission International Accreditation" (JCIA) umgesetzt werden. Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns vom NBMC wird zur Situation des Medizintourismus in Berlin berichten.
„International Clinical Pathways“ zur Qualitätssicherung
Mit Qualitätssicherung ist im Krankenhausmanagement der Begriff „Clinical Pathway“ verbunden. Die Verknüpfung beider im Patiententourismus ist jedoch neu.
Derzeit wird unter aktiver Mitarbeit der German Healthcare Services und Partner an der Hochschule Deggendorf an einem MBA-Projekt gearbeitet, das alles unter einen Hut bringen soll. Der Patient soll die Möglichkeit bekommen, fallbezogen standardisiert seine Daten in die elektronische Patientenakte einzugeben, so dass der behandelnde Arzt ein möglichst vollständiges Bild von dem Patienten in dem bestimmten Indikationsgebiet erhält. Prof. Horst Kunhardt, Studiengangsleiter des MBA Helathcare Management der FH Deggendorf, wird das Projekt bei der Medica Media vorstellen. So könnten zukünftig auch mehrsprachige IT-Systeme helfen, Sprachbarrieren zu überwinden. Schlüsselfertige Software-Produkte, wie sie German Healthcare Services projektiert, gibt es in diesem Bereich bislang noch nicht.
OP im Westen, Reha im Osten
Dr. Gerl prognostiziert, dass sich tiefgreifende grenzüberschreitende Geschäftsmodelle entwickeln könnten, bei denen zum Beispiel hiesige Orthopäden an der bayrischen Grenze zu den osteuropäischen Ländern z.B. Operationen ausführen, aber die Patienten zur zwei- bis dreiwöchigen Rehabilitation aufgrund niedrigerer Personalkosten nach Osteuropa gehen. Bevor der Patient anreist, liegen bereits die notwendigen Patientendaten vor. Das wäre der Behandlungsverlauf, den Dr. Gerl für die Zukunft sieht. „International Clinical Pathways“ könnten helfen zu vermeiden, dass eine schlechte Rehabilitation gute Operationsergebnisse zunichte macht.
US-Verband will Richtlinien schaffen
Die Medical Tourism Association, eine Non-Profit-Organisation, (Internet: www.medicaltourismassociation.com), zu deren Mitgliedern internationale Krankenhäuser, Gesundheitsdienstleister, Anbieter medizinischer Reisen, Versicherungsgesellschaften und andere, verwandte Organisation gehören, setzt sich für Qualitätssicherung ein. Ihre drei Hauptziele: Transparenz, Kommunikation und Aufklärung. Sie will Richtlinien für den Medizintourismus erstellen und sich allen Aspekten widmen, etwa dem Haftungsrecht.
Reiseführer für Medizintouristen
Weltweit gibt es erste Reiseführer, die versuchen, das Informationsbedürfnis der nach internationalen Gesundheitsleistungen suchenden Patienten zu befriedigen, z.B. „Patients beyond Boarders“ (Internet: www.patientsbeyondborders.com), aber auch rein internet-basierte Medien wie „Planet Hospital“ (Internet: http://www.planethospital.com). Checklisten, aus denen hervorgeht, auf was besonders geachtet werden sollte, finden sich u.a. zukünftig auch bei German Healthcare Services (Internet http://www.german-healthcare-services.de). Deren Consulting-Bereich, German Healthcare Consulting, bietet für Gesundheitsdienstleister entsprechendes Info-Material an.
Autor dieses Artikels ist:
Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist und Pressesprecher der MEDICA MEDIA














