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MEDICA MEDIA-News vom 15.10.2008

Die Herausforderungen des Alters meistern – Ambient Assisted Living ist mehr als eine neue Technologie!

Sehr geehrte Damen und Herren,

willkommen zu einer neuen Ausgabe der MEDICA MEDIA NEWS, dem Newsletter der MEDICA MEDIA, Forum für eHealth, Telemedizin und medizinische Informationstechnologie.

Heute möchten wir Ihnen mit Ambient Assisted Living einen weiteren, topaktuellen Themenschwerpunkt vorstellen, der bei der MEDICA MEDIA 2008 im Rahmen der MEDICA (19. bis 22. November, Halle 16 A-05) behandelt wird. Unsere Gesellschaft altert rasant. Und so steigt auch das Interesse an bedürfnisorientierten Lösungen, die es älteren und rekonvaleszenten Menschen ermöglichen, ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) werden neue Technologien zusammengefasst, die dabei helfen sollen – etwa adaptive medizinische Geräte, personalisierte Mehrwertdienste oder selbstlernende Sicherheitsfunktionen. Forschung und Industrie haben mittlerweile ausgereifte Prototypen entwickelt. Mit der Übernahme in die bundesdeutschen Haushalte soll nun begonnen werden.

Das Programm der MEDICA MEDIA mit seiner modularen Struktur und der neuartigen Vernetzung von Ausstellung und Programm bietet Ihnen folgerichtig interessante und informative Veranstaltungen zum Thema Ambient Assisted Living. Unter der Expertenleitung unseres Fachbeiratssprechers Prof. Dr. Otto Rienhoff werden Sie in einer „Power-Input-Session“ umfassend in das Thema eingeführt, können in „Diskussionsforen“ an der Meinungsbildung teilhaben und im angebotenen „Vertiefungsworkshop“ Ihr Wissen rund um AAL erweitern.

Zusätzlich finden Sie in unserer Ausstellung innovative Exponate, die unter dem Siegel AAL firmieren.

Eine Einführung in das Thema bietet Ihnen außerdem der Artikel „Die Herausforderungen des Alters meistern“ von Dr. Lutz Retzlaff.

 

Mit besten Grüßen
Ihr MEDICA MEDIA-Team


 

Die Herausforderungen des Alters meistern 

Ambient Assisted Living ist mehr als neue Technologie

Wohnst du noch oder lebst du schon? Das fragte bis vor kurzem nicht nur eine Möbelkette, sondern auch die Fachzeitschrift E-HEALTH-COM. Sie nutzte diesen Einstieg um zu darauf hinzuweisen, dass es wichtig ist, alten und chronisch kranken Menschen ein möglichst langes und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Hierbei können Technik und Elektronik, eHomes und Smartphones, können insgesamt Dinge helfen, wie sie unter den Sammelbegriff "Ambient Assisted Living" (AAL) fallen. Darunter werden neue Technologien zusammengefasst, die in der Lage sind, sich auf den Einzelnen einzustellen bzw. an seine Bedürfnisse angepasst zu werden, schildert Prof. Dr. med. Dipl.-Kaufmann Rainer Riedel, Rheinische Fachhochschule, Köln. Er erläutert dies so: „Die Bedürfnisse des individuellen Menschen werden dabei stärker als bisher in den Mittelpunkt gestellt, etwa durch adaptive medizinische Geräte, personalisierte Mehrwertdienste, selbstlernende Sicherheitsfunktionen, Prävention oder Kompensation altersbedingter Beschränkungen mittels technischer Hilfen.“ Hier stellt auch die Studie „Wirtschaftsmotor Alter“ von Roland Berger Strategy Consultants und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fest: „Produktentwicklung und Marketing in den Unternehmen stehen vor der Herausforderung, auf die Bedürfnisse einer Seniorengeneration einzugehen, die mit über 40 Jahren Konsumerfahrung ein hohes Aktivitätsniveau aufweist, aber auch mit ihren altersbedingten Einschränkungen ernst genommen werden will.“

Ganz folgerichtig fragt bei der MEDICA MEDIA Dr. Eva Schulze, BIS GmbH, Berlin: „AAL – eine Lösung für die Selbstständigkeit der Senioren?“ Vom Notruf zu Hause und unterwegs über das Monitoring und Smart Home Care bis zur Tele-Konsulation beim Hausarzt und der Tele-Therapie und Rehabilitation reichen Vorstellungen, wie sie Dr. Schulze unter die Lupe nimmt. Ebenfalls zur Technik, wie sie von Dr. Schulze untersucht werden, zählen GPS für Sehbehinderte und Orientierungsschwache sowie Erinnerungssysteme für Arzttermine und Tabletteneinnahme und Schließ- und Sicherheitssysteme Die Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung und das Robert-Bosch-Krankenhaus sind Kooperationspartner bei einem Projekt, das Auswirkungen der Einführung und Nutzung neuer Technologien, wie beispielsweise die zentrale Steuerung der Beleuchtung, Zutrittskontrollen an Türen, Sturzmelder in Form von Sensormatten oder die Überwachung der Vitalfunktionen bei gefährdeten Personen, im institutionellen Kontext untersucht.

Auch wird im europäischen Projekt SOPRANO z.B. auf Basis umfangreicher Szenarioanalysen untersucht, wie Probleme allein lebender älterer Menschen - zum Beispiel die rechtzeitige und richtige Einnahme von Medikamenten - durch neue, in eine Intelligente Heimumgebung integrierte Dienste behoben werden können. SOPRANO steht dabei für "Service-oriented Programmable Smart Environments for Older Europeans". Es gehört zum sechsten Rahmenprogramm der Europäischen Kommission (IST Priority 6th Call on Ambient Assisted Living - AAL). Dessen Ziel ist es, erschwingliche, smarte, auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierende Dienste mit Benutzeroberflächen/Schnittstellen zu entwickeln, die für alte Menschen und ihre Familien zuhause einfach zu bedienen sind.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) und viele andere Organisationen treiben das Thema besonders seit dem vergangenem Jahr voran. Hintergrund ist eine zehnjährige Forschungserfahrung, die soweit ausgereifte Prototypen entwickelt hat, dass jetzt mit der Übernahme in die deutschen Haushalte begonnen werden kann.

Im vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) geförderten Projekt VitaBIT entwickelt das FZI Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe mobile Dienste zur Unterstützung ambulanter Pflegedienste, schildert Dr. Christophe Kunze, Leiter des Forschungsbereichs "Embedded Systems and Sensors Engineering". Ganz konkret wird hier zum Beispiel Software fuer Smartphones entwickelt – und bei der MEDICA MEDIA gezeigt - , die ambulanten Pflegekräften bei der Arbeit helfen sollen: Der Demonstrator des VitaBIT-Projektes zeigt nicht nur den Tourenplan und ermöglicht eine mobile Leistungserfassung: Durch funkvernetzte Sensoren können etwa Blutzuckermessungen ebenso wie mit der integrierten Kamera aufgenommene Wundbilder automatisch dem Patienten zugeordnet und in eine Pflegeakte übernommen werden – das spart aufwändige Dokumentationsarbeit und vermeidet Fehler. Dr. Kunze erläutert, dass diese Technologien insbesondere im Rahmen des Disease-Management-Programm (abgekürzt DMP) und insgesamt von Managed-Care-Modellen ihren Platz haben könnten. Ähnliches gilt auch für das kardiale Monitoring über Textilien, was auch im Rahmen der MEDICA MEDIA gezeigt wird. Für die Zukunft wird vieles davon abhängen, wie die Finanzierung im Rahmen solcher neuer Versorgungsformen geregelt wird. Mehr dazu im Newsletter zu „Neue Versorgungsformen“. Unabhängig davon sieht Dr. Kunze die unter AAL zusammengefaßten Techniken in den Kinderschuhen, aber: „Sie werden sich schnell entwickeln.“ Im Moment sei eine wichtige Herausforderung, die Bedürfnisse des Marktes zu erkennen und ihnen entgegenzukommen. Dabei verlässt man sich nicht nur auf das schwierige Umfeld der Finanzierung über die gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherungen: „Wir stehen in Kontakt mit Dienstleistern, die nicht nur auf die Kosten schauen, sondern auch darauf, was ich den Menschen bieten kann.“ Dr. Kunze nennt hier als Beispiele Wohnungsbaugesellschaften, die ihren Mietern altersgerechtes, betreutes Wohnen anbieten wollen und dabei die Angehörigen entlasten wollen. „Wir versuchen nicht nur Technologien zu entwerfen, sondern auch Dienstleistungen, die darauf aufbauen“, schildert Kunze.

„Ob sich die AAL-Technologie durchsetzt, hängt an vielen offenen Fragen“, meint auch Prof. Rienhoff. Ärzte und Pflegekräfte wissen zu wenig über die Möglichkeiten, die Kassen haben sie noch nicht in ihren Leistungskatalog aufgenommen und es fehlen noch kompetente Unternehmen der Wirtschaft, die dem Bürger bei der Installation und dem Betrieb helfen. Dennoch drängt das Thema mit Macht in den Vordergrund: Niemand hat bisher eine andere Lösung benennen können, wie in Zukunft ohne neue Technologie die wachsende Zahl der Unterstützungsbedürftigen bei immer weniger jüngeren Pflegekräften versorgt werden soll.

Die MEDICA MEDIA greift deshalb 2008 das Thema AAL als einen zentralen Aspekt ihrer Veranstaltungen auf und widmet ihm auch mehrere Power-Input-Sessions, Podiumsdiskussionen und Vertiefungsworkshops.


Autor dieses Artikels ist:
Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist und Pressesprecher der MEDICA MEDIA