MEDICA MEDIA-News vom 15.09.2008
Kommt jetzt die Medizin 2.0 – Web 2.0 lässt elektronische Gesundheitskarte alt aussehen
Sehr geehrte Damen und Herren,
willkommen zu einer neuen Ausgabe der MEDICA MEDIA NEWS, dem Newsletter der MEDICA MEDIA, Forum für eHealth, Telemedizin und medizinische Informationstechnologie.
Web 2.0 und Medizin – wie geht das zusammen? Dies ist eins der spannenden Themen, die bei der MEDICA MEDIA 2008 im Rahmen der 40. MEDICA (19. bis 22. November, Halle 16) diskutiert werden. Social Networks, Blogs, Internet-Portale und Wikis gewinnen auch im Gesundheitsbereich zunehmend an Bedeutung. Patienten holen sich gesundheitsrelevante Informationen aus dem Internet, tauschen sich in Communities aus und vergleichen online Medikamentenpreise, Kliniken und sogar Hausärzte. Auf der anderen Seite arbeiten große Unternehmen intensiv an webbasierten Anwendungen zur Speicherung und zum Austausch medizinischer Daten, die die „elektronische Gesundheitskarte“ schnell alt aussehen lassen könnten. Das Programm der MEDICA MEDIA 2008 bietet Ihnen hierzu Podiumsdiskussionen und Workshops unter Expertenleitung rund um das Thema Web 2.0 für Ärzte und Patienten.
Eine Übersicht zum Thema bietet Ihnen der Artikel „Kommt jetzt die Medizin 2.0?“ von Dr. Lutz Retzlaff.
Weitere Themen heute:
Fortbildung Telemedizin
Der gekürzte Artikel der Autoren Dr. Thomas Baehring, Dr. Volker Hempel und Dr. Franz-Josef Bartmann diskutiert die Anforderungen an ein zeitgemäßes Fortbildungsprogramm im Bereich der Telemedizin und stellt Ihnen die MEDICA MEDIA als Fortbildungs-Plattform vor.
Mit besten Grüßen
Ihr MEDICA MEDIA-Team
Kommt jetzt die Medizin 2.0?
Web 2.0 lässt elektronische Gesundheitskarte alt aussehen
Die Mitwirkung der Internet-Nutzer ist - unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst - bereits zum Modewort mutiert. Diese Form der elektronischen Einflussnahme hat zumindest in der deutschen Medizin noch Seltenheitswert. „Die Zurückhaltung bei dieser neuen Entwicklung ist für die Medizin typisch“, meint Professor Frank Ückert, Juniorprofessor am Institut für Medizinische Informatik und Biomathematik am Universitätsklinikum Münster. Er moderiert eine Veranstaltung bei der MEDICA MEDIA, die im Rahmen der MEDICA das Thema unter die Lupe nimmt. Trotz aller Zurückhaltung gewinnen nämlich Dinge wie Social Networks, Blogs und Wikis auch im Gesundheitsbereich an Bedeutung. Es wird immer deutlicher: „Die Mentalität der Nutzer hat sich verändert“, schildert Professor Ückert. Solche Entwicklungen könnten die deutsche Diskussion um die elektronische Gesundheitskarte veralten lassen. Wirkliche weltweite Trendsetter scheinen erneut Länder wie die USA und Japan zu werden.
So nutzen Krankenhäuser den Trend zum Mit-Mach-Internet im Sinne der Kontaktpflege. In Amerika gibt es bereits große Krankenhäuser, deren Chefs sich täglich in Blogs der schriftlichen Diskussion vor allem mit den Patienten stellen. Da kann es darum gehen, ob die Behandlung zu teuer war oder nicht oder ob man mit dem Arzt zufrieden war. „Das ist eine Möglichkeit, diese Dinge aus Sicht des Krankenhauses darzustellen und zu steuern“, meint Professor Ückert. Er schildert, die Krankenhäuser würden berichten, der Umsatz steige. Bewiesen ist dies nicht. Noch nicht.
Eine andere Internet-Plattform wurde von einem Pharmaunternehmen aufgebaut. Hier können Patienten Fragen ins Internet stellen. Darauf antworten dürfen nur Ärzte. Die Fragesteller bewerten anschließend, inwiefern sie mit der Antwort etwas anfangen konnten. Für die Pharmaindustrie könnte eine entsprechende weltweite Kommunikation zu seltenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen interessant sein.
Bemerkenswert ist nach Ansicht von Professor Ückert auch ein Projekt der amerikanischen Gesundheitsbehörden (Centers for Disease Control and Prevention, CDC). Diese haben auf der Internetplattform Second Life eine eigene Zweigstelle aufgemacht, die genauso virtuell ist, wie es diese Internetwelt ist. Dort interagieren Menschen mit Hilfe von Avataren. Diese Computerwesen können stellvertretend für ihre Besitzer in der Kunstwelt zum Beispiel spielen oder Handel betreiben. Aber was treiben die Gesundheitsbehörden dort? Sie stellen sich den Fragen vor allem der jungen Menschen, die sich mit ihren persönlichen Avataren maskieren können. Professor Ückert berichtet, dass sie die Gelegenheit nutzen, um möglicherweise peinliche Fragen zum Beispiel nach sexuell übertragbaren Krankheiten zu stellen.
Natürlich hört sich einiges nach Science Fiction an, und mancher wird nach dem Sinn fragen. Informationen aus dem Internet können fehlerhaft sein und sogar das Gespräch von Patient und Arzt belasten. Das Mit-Mach-Internet macht die Therapie nicht unbedingt einfacher: „Ich behaupte nicht dass diese Entwicklung zwingend gut ist. Aber der Arzt darf das Medium Internet nicht ignorieren. Er muss sich darauf einstellen, was kommt“, warnt Professor Ückert. Auch bei der Einführung des Telefons hätten viele Ärzte die Sinnfrage gestellt, schließlich zählt nur der direkte Patient-Arzt-Kontakt…
Er selbst ist einer der Initiatoren der elektronischen Gesundheitsakte akteonline.de, die Patienten die sichere Ablage, Verwaltung und Weitergabe ihrer medizinischen Daten über das Internet ermöglichen will. Professor Ückert schätzt die derzeitige Situation in Deutschland so ein, dass deutsche Patienten gerne ihre Daten hätten und dafür sogar bezahlen würden, aber: „Hierzulande lassen die Menschen ihre Daten lieber von anderen eintragen.“ In den USA sei die Selbstverantwortung bereits jetzt größer, was dazu führt, dass dort medizinische Projekte im Sinne des Web 2.0 weiter fortgeschritten sind. Professor Ückert glaubt, dass in Deutschland zwei Trends eine ähnliche Entwicklung forcieren: Zum einen steigt auch hier der Druck zu mehr Selbstverantwortung – und damit das Bedürfnis, die eigenen Daten selbst zu verwalten und zu überwachen. Zum anderen altern jetzt Generationen, deren technische Kenntnisse größer sind als diejenigen der heutigen Alten. Also: „Der Markt wächst.“
Das haben große Unternehmen schon jetzt erkannt: Bereits als "StudiVZ für Kranke" wurde Google-Health bezeichnet. Das Suchmaschinenunternehmen will Patienten und Ärzten mit einer neuen Internet-Anwendung erlauben, ihre medizinischen Befunde, Rezepte und diverse andere gesundheitsrelevante Daten leicht bedienbar zu speichern und mit allen beteiligten Stellen zu teilen.
Microsoft springt ebenfalls auf den Zug auf und hat zusammen mit den Mayo-Kliniken, der US-amerikanischen Heart Association und dem Medizinkonzern Johnson & Johnson das webbasierte Angebot HealthVault gestartet. Es ist ebenfalls eine sektorenübergeifende Krankenakte für Patienten, Ärzte und Kliniken mit Anschlussmöglichkeiten für die Industrie. Sie ist ganz ähnlich dem Google-Projekt - und: Sie soll erklärtermaßen internationale Standards setzen. Geschieht dies, dann dürfte kaum noch interessant sein, welche Anforderungen Ärzte, Krankenkassen und Datenschützer an die elektronische Gesundheitskarte stellen. Sie droht bereits veraltet zu sein, würde sie tatsächlich irgendwann einmal flächendeckend und umfänglich eingeführt. Wer also über das Projekt „elektronische Gesundheitskarte“ hinaus denken möchte, dem wird mit der MEDICA MEDIA eine wichtige Informationsquelle geboten.
Terminplanung in der Patienten-Community
Dennoch: Es gibt bereits jetzt auch in Deutschland Ansätze von Web 2.0 im Gesundheitswesen. So spricht das Unternehmen Samedi von einer „Patienten-Community“, die ein Arzt pflegt. „Wir wollen die Bedürfnisse von Arzt und Patient zusammenbringen“, meint Doktor Alexander Alscher, einer der Geschäftsführer von Samedi. In Anlehnung an Web 2.0 heißt dessen Softwarelösung „Praxis 2.0“. Dazu gehört die Online-Terminvereinbarung über das Internet. Dort braucht sich der Patient nicht mehr an Öffnungszeiten zu halten. Der Patient sucht sich eine Behandlungsart und sieht dann eine vom Arzt vorkonfigurierte Zahl an freien Terminen. Zudem bietet die Software die Möglichkeit, dass die Praxen Patienten per E-Mail und SMS automatisch an Termine erinnern, und auch eine Prozesssteuerung der Praxisabläufe soll möglich sein. Ziel ist es, ein Ärztenetzwerk aufzubauen, das einen schnellen und unkomplizierten Austausch wie auch die Patientenüberweisung bietet. Und natürlich ist daneben eine Internetpräsenz bzw. Anbindung einer existierenden Homepage vorgesehen. Fast alles läuft dann mehr oder weniger im Arbeitsspeicher des Praxiscomputers und auf Servern im Internet ab. Dr. Alscher betont, dass die Daten so geschützt sind, dass sogar Samedi selbst keinen Einblick hat.
Autor dieses Artikels ist:
Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist und Pressesprecher der MEDICA MEDIA
Fortbildung Telemedizin – Module eines neuen Veranstaltungs- und Fortbildungsprogramms für Ärzte und Heilberufe in Deutschland
Autoren: Thomas Baehring, Volker Hempel und Franz-Josef Bartmann
Die Weiterentwicklung der ärztlichen Fortbildung
Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fortbildungsangebote und ihrer Ergebnisqualität ist zentrales Anliegen der Ärzteschaft. Mit der Einführung des Freiwilligen Fortbildungszertifikats durch die Bundesärztekammer wurde dafür eine geeignete Grundlage geschaffen. Damit kann einerseits der Umfang der Fortbildungsaktivitäten des einzelnen Arztes quantifiziert werden, anderseits wird den unterschiedlichen didaktischen Formen von Fortbildungsveranstaltungen durch die Verwendung einer Kategorisierung (von Kategorie A: Vortrag und Diskussion bis zu Kategorie H: Curricular vermittelte Inhalte) Rechnung getragen.
Wesentliches Erfolgskriterium für jede Art von Fortbildung ist deren Praxisrelevanz. Diese kann nur durch eine problemorientierte inhaltliche und didaktische Gestaltung der Fortbildungsveranstaltung erreicht werden. Dazu gehören auch möglichst praxisnahe Fortbildungsbedingungen, die bei technologieorientierten Themen wie im Bereich der Gesundheitstelematik oft schwer umzusetzen sind. Hier sind innovative Formen durch Vernetzungen und interdisziplinäre Kooperationen bei der Gestaltung der Veranstaltung und ihres Umfelds notwendig.
eHealth und Telemedizin: Zum Stand der Information in der Ärzteschaft
Ein für die Besucher der MEDICA zentrales Thema ist gegenwärtig die Einführung der Elektronischen Gesundheitskarte (eGk). Letztlich sind es die Krankenhausärzte und die niedergelassenen Ärzte die entscheiden, ob bei der Einführung der eGk deren Nutzen höher bewertet wird als der zu leistende Aufwand.
Fragen zum Stand der Vorbereitungen machen das Dilemma deutlich, das trotz der jahrelangen Diskussion um die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte herrscht: So beantworteten beispielsweise Ende November 2007 nur 26 % der Krankenhausärzte (n=105), 16 % der niedergelassenen Ärzte (n=68) und 41 % der Apotheker (n=20) die Frage mit „Ja“, ob sie technologisch bereits auf die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte vorbereitet sind (Quelle: Jahrbuch Gesundheitswirtschaft 2008, S. 51).
Vor dem Hintergrund der deutlich gewordenen Informationsdefizite einerseits und dem hohen Interesse der Ärzteschaft an Fortbildungsangeboten in eHealth und Telemedizin andererseits, müssen daher folgende Forderungen an ein Fortbildungsprogramm gestellt werden:
• Problemrelevanz
• Praxisbezogenheit
• Verständlichkeit
Die MEDICA MEDIA – Eine Plattform für die Fortbildung zur Telemedizin
Die MEDICA MEDIA ist seit 1998 mit jährlich über 130 Referenten einer der führenden Programmanbieter für die Bereiche eHealth, Telemedizin und medizinische Informationstechnologie. Um die unterschiedlichen Zielgruppen adäquat zu erreichen, wurden drei voneinander unabhängige und doch miteinander vernetzte Module der MEDICA MEDIA entwickelt:
Das Programm der MEDICA MEDIA: Management und Ärzteschaft können sich hier an der öffentlichen fachlichen Diskussion aktiv beteiligen (Anwenderforum). Dafür benötigen sie Grundlageninformationen, die in vorgeschalteten Einführungen als Workshops angeboten werden.
Die Sonderschau der MEDICA MEDIA: Mit der Präsentation innovativer Projekte und Produkte aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kliniken, Krankenkassen und kooperierenden Unternehmen.
Das Fortbildungsprogramm MEDICA MEDIA Spezial: Richtet sich an Ärzte, Mitarbeiter und Heilberufe und bietet 2008 einmalig ein hallenübergreifendes, interaktives und mit den Ausstellern der Medica vernetztes Fortbildungsangebot.
Das Anwenderforum ist die Plattform für die öffentliche fachliche Diskussion und ein Mitwirken bei der Entscheidungsfindung.
Das Fortbildungsprogramm für Ärzte und Heilberufe: MEDICA MEDIA Spezial
Ausschlaggebend für die Entwicklung eines neuartigen Fortbildungsprogramms zur Telemedizin ist der gegenwärtige Wandel des Arztbildes und des Berufsbildes für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen, des Verhältnisses zum Patienten, der Einfluss der Neuen Medien und die zunehmende Fremdbestimmung durch Technologieorientierung und Kosteneffizienz. Deswegen sollen nicht nur aktuelle Informationen vermittelt, sondern zugleich themenbegleitende Diskussion angeregt werden.
Die Sonderschau der MEDICA MEDIA präsentiert innovative Projekte und Produkte aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kliniken, Krankenkassen und kooperierenden Unternehmen.
Das Fortbildungsprogramm der „MEDICA MEDIA Spezial“ bietet, bisher einmalig in Deutschland, eine Kombination von aktuellen Schwerpunktthemen mit innovativen didaktischen Veranstaltungsformen. Dies wird erreicht durch eine neuartige Vernetzung der unterschiedlichen Veranstaltungen der MEDICA MEDIA untereinander sowie mit sorgfältig selektierten Präsentationen von Austellern der Medica. Auf dieser Grundlage können in 2008 die folgenden CME Fortbildungsmodule angeboten werden:
Modul CME 1: Themen - Schwerpunkte und Veranstaltungen
Die ärztliche Fortbildung wird in den wichtigen Schwerpunkthemen der MEDICA MEDIA durchgängig mit den Kategorien „Neue Produkte, Methoden und Verfahren“, „Prozessmanagement“ sowie „Geschäftsmodelle“ angeboten. Als Themenschwerpunkte sind für 2008 vorgesehen: Nutzen durch eHealth; Medizin und Internet – Web 2.0 im Gesundheitswesen; Neuere Methoden und Verfahren in der Teletherapie; Neue Versorgungsformen; HomeCare /AAL. Die dafür benötigen Grundlageninformationen werden erstmalig als Einführung in vorgeschalteten Workshops (Power units) angeboten.
Modul CME 2: Wegweiser - Hallenübergreifende Vernetzung
Die MEDICA MEDIA präsentierte schon 2005 das hallenübergreifende Konzept „Route Gesundheitskarte & Heilberufs- und Berufsausweise“. Dieses Konzept hat sich in der Folge bewährt und soll auch für die Fortbildung genutzt werden. Gebrauch findet es im Fortbildungsangebot „MEDICA MEDIA Spezial“, indem in Kooperation mit wichtigen Ausstellern neue Verfahren, Methoden und Produkte hallenübergreifend als praktische Demonstrationen in die Fortbildung integriert werden.
Modul CME 3: Live - Interaktive Demonstrationen
Ebenfalls neu: Gebündelte Informationen und Demonstrationen zu neuen, innovativen Verfahren und Technologien werden in Kooperation mit führenden Ausstellern präsentiert. In Video-Workshops können in interaktiven Sitzungen neue Technologien kennengelernt und diskutiert werden, ebenfalls hallenübergreifend. Dies ist vermutlich nur auf der MEDICA in Düsseldorf möglich, da hier alle wichtigen nationalen und internationalen Anbieter medizinischer Technologien als Aussteller vertreten sind.
In interaktiven Präsentationen können im Rahmen der Fortbildung MEDICA MEDIA Spezial neue Technologien kennengelernt und diskutiert werden.
Das Fortbildungsprogramm „MEDICA MEDIA Spezial“ wird von der Ärztekammer Nordrhein zertifiziert und durch den Vorsitzenden des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung der Bundesärztekammer, Herrn Dr. med. Franz-Josef Bartmann geleitet. Die Anmeldung zur Fortbildung ist möglich unter www.medicamedia.de
Weitere Informationen:
Dr. Volker Hempel
Science Service – Dr. Hempel GmbH
Merowingerplatz 01, 40225 Düsseldorf
Tel: (0211) 86 29 20 - 0 Fax: Tel: (0211) 86 29 20 - 22
E-Mail:
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Internet: www.medicamedia.de














